Ausbildung- und Berufsgeschichten
Auch über die Schulzeiten und auch Berufsausbildungen habe ich einige Dokumente meiner Vorfahren in meinem Besitz. Einiges davon möchte ich an dieser Stelle zeigen.
Schulzeit Herbert Lange
Vermutlich hat auch Herbert seine Grundschule in Königsberg absolviert. Er wechselte dann allerdings auf die Oberschule an der Burg in Königsberg in die er Ostern 1927 eingeschult wurde.
"Die Burgschule war nach dem Altstädtischen Gymnasium, dem Kneiphöfischen Gymnasium und dem Löbenichtsschen Realgymnasium das viertälteste Gymnasium in Ostpreußens Provinzialhauptstadt Königsberg. [...] Im Jahre 1859 wurde sie mit Wirkung vom 15. Oktober in den neuen Schultyp einer Realschule erster Ordnung umgewandelt. Die Umwandlung der Schule vom Realgymnasium zur Oberrealschule wurde 1902 abeschlossen. [...] Ab 1936 hieß sie "Oberschule für Jungen auf der Burg". Am 22. Januar 1945 wurde der Unterricht wie in allen Schulen in Königsberg eingestellt." (Wikipedia: Burgschule Königsberg)
Schulzeit Franziska Listl
Am 06. April 1933 beendete Franziska die Volkshauptschule in Sulzbach an der Donau. Sie verlässt die Schule nach dem 7. Schullehrjahr mit der Bemerkung "Musterschülerin"
Bereits zwei Wochen später am 27. April 1933 wechselt sie auf die Volksfortbildungschule in Sinzing. Diese geht bis zum 02. April 1936.
"Neben dem Elementarunterricht der Volksschule, der nach der Schulpflichtverordnung von 1802 in der sogenannten Werktagsschule geboten wurde, bestand seit dieser Zeit zur Vertiefung und Einübung der Grundkenntnisse die Pflicht zum Besuch der Sonn- und Feiertagsschulen für einen Zeitraum von drei Jahren nach dem Ende der Grundschule. An Sonn- und Feiertagen mussten die Pflichtigen mehrere Stunden den von den Volksschullehrern zu haltenden Unterricht in denselben Fächern, die die Grundschule bot, besuchen. [...] Die zunehmende Schwierigkeit, die Schulpflichtigen zu den feiertäglichen Unterrichtsstunden anzuhalten, führten schließlich zu der in der Schulpflichtverordnung von 1913 festgelegten Einrichtung der dreijährigen Volksfortbildungsschule. Sie schloß an die Grundschuel an; die Unterrichtsstunden fanden an Werktagen, nur ausnahmsweise an Sonntagen statt." (Volkert, Wilhelm (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980, S. 206
Schulzeit Heinrich Mangasser
Zwei Jahre nach Kriegsende Erster Weltkrieg wird Heinrich in die 1. Klasse der Volkschule in Landstuhl eingeschult. Auf dem Bild steht er in der 2. Reihe von oben als Dritter von links.
Wenn man dieses Bild und auch das Bild von der Einschulung Franziska Listl anschaut, dann bekommt der Satz "Der Ernst des Lebens beginnt" eine ganz neue Bedeutung. Vermutlich hat der Fotograph damals ganz besonders darauf hingewiesen, dass die Kinder auch ja ernst schauen.
Ausbildungszeit Heinrich Mangasser
Vom 1. April 1930 bis zum 31- März 1933 absolvierte Heinrich Mangasser in der Bau- und Möbelschreinerei Josef Kühn in Landstuhl seine Lehre als Schreiner. Sein Lehrherr ist Josef Scherer, der die Schreinerei besitzt. Bereits am 23. November 1932 hatte er seine Gesellenprüfung vor dem Prüfungsausschuss der Handwerks Kammer der Pfalz und bestand diese mit sehr guten Noten. Daraufhin erhielt er die Bescheinigung über die Befreiung von der Innehaltung der gesetzlichen Lehrzeit auf Antrag des Lehrherrn Josef Scherer, Schreinermeister in Landstuhl.
Ausbildungszeit Herbert Lange
Am 01. September 1933 unterschreibt Herbert seinen Lehrvertrag als Buchhandelsgehilfe in der Buchhandlung der Pilgermission GmbH, Filiale Königsberg. Die Lehrzeit dauert 3 Jahre und somit bis zum 31. August 1936. Er erhält in seinem 1. Lehrjahr als Entschädigung 17 Reichsmark monatlich. Versichert ist er im deutschen Handlungsgehilfen Verband, Berufskrankenkasse des Kaufmannsgehilfen, Hamburg. Der monatliche Betrag sind 1,20 Reichsmark am Anfang, ab April 1934 steigt dieser auf 1,25 Reichsmark monatlich.
Die Lehre zum Buchhandelsgehilfe schließt er am 26. April 1936 vor dem Prüfungsausschuss des Gaues Ostpreußen im Bund Reichsdeutscher Buchhändler ab. Da er in der Ausbildung eine besondere Begabung auf dem Gebiet der Schaufenster Dekoration bewies erhält er 1936 als Teilnehmer des Schaufensterwettbewerbs eine Ehrenurkunde und hätte damit eine Ausbildung als Gebrauchswerber an der 1. Höheren Reichswerbefachschule in Berlin beginnen können.
Im Februar erhält er seine Einberufung zur Reichsschule des Deutschen Buchhandels zur pflichtmäßigen Abschlussschulung auf der Reichsschule in Leipzig. Die Schulungskurse kosteten damals einschließlich Unterkunft und Verpflegung 100 Reichsmark, auf welche die bis zum Schulantritt geleisteten Sparbeiträge angerechnet werden können, der Rest ist bar mit zu bringen. Im Mai 1936 erhält er dann auch seine Abgangsurkunde, die bescheinigt, dass er am Unterricht der Reichsschule des deutschen Buchhandels teilgenommen hat.
Er wird allerdings nie als Buchhändler arbeiten. Nach dem Krieg beginnt er in der Verwaltung der amerikanischen Armee in Regensburg eine kaufmännische Tätigkeit