Friedrich Gustav Lange
Am 1. Januar 1874 wurde die Kreisordnung für die Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien und Sachsen vom 13. 12. 1872 [eingeführt]"(Quelle: http://www.territorial.de/ostp/hlgb/hohenfst.htm)
Am 11. Juni 1874 bildete sich der Amtsbezirk "Hohenfürst Nr. 18 aus den Landgemeinden Bönkenwalde, Friedrichshof, Groß Hasselberg, Hohenfürst, Klein Hasselberg, Klein Lüdtkenfürst und Rauschbach und den Gutsbezirken Gottesgnade, Groß Hasselberg und Groß Lüdtkenfürst (10 Gemeinden/Gutsbezirke). Er wird zunächst verwaltet vom Amtsvorsteher in Groß Lüdtkenfürst."(http://www.territorial.de/ostp/hlgb/hohenfst.htm)
In diese Zeit hinein wird am 27. Februar 1875 mein Urgroßvater väterlicherseits Friedrich Gustav Lange in Groß Hasselberg, Kreis Heiligenbeil in Ostpreußen geboren. Der Ortsname Groß Hasselberg heißt heute Krzekoty und liegt in Russland. Das damalige Kirchspiel war Hohenfürst. Eigentlich ist die Bezeichnung "in Ostpreußen geboren" falsch, denn die Gründung Ostpreußens erfolgte erst 3 Jahre später.
1889 diente mein Urgroßvater Friedrich Gustav Lange im Grenadier-Regiment König Friedrich der Große (3. Ostpreußisches) Nr. 4 in Allenstein. "Zur 2. Division (Königsberg) gehören die 3. und 4. Infanteriebrigade und die 2. Kavalleriebrigade. Die 3. Infanteriebrigade (Allenstein) schließt ein das Grendadierregiment König Friedrich II. (3. Ostpr.) Nr. 4 und das 8. Ostpr. Infanterieregiment Nr. 45. Bezirkskommandos: Bartenstein, Rastenburg, Allenstein, Lötzen. Zur 4. Infanteriebrigade (Königsberg) sind zu zählen das Grendadierregiment König Friedrich Wilhelm I. (2. Ostpr.) Nr. 3 und das Infanterieregiment Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz..."(Ambrassat, August: Die Provinz Ostpreußen, 1896, S. 315). Eine Regiment-Zusammenfassung finden Sie hier
1895 ziehen meine Urgroßeltern Friedrich Gustav Lange und Marie Faust nach Königsberg. Er fängt dort bei der Reichsbahn als Beamter an. (Quelle: Zeitungsartikel aus der NRT Nr. 75 vom 28.03.1962). Er wird 1939 als Reichsbahnsekretär pensioniert.
Mein Urgroßvater Friedrich Gustav Lange heiratet am 24.3.1902 standesamtlich und am 31. März 1902 kirchlich seine Frau Marie Johanna Faust. Als Zeugen sind dabei der Arbeiter August Mintz, 26 Jahre alt und Friedrich Reith, 57 Jahre alt. Alle wohnten zu dieser Zeit bereits in Königsberg. Bei seiner Mutter ist angegeben, dass sie als Instmannfrau in Perbanden wohnt.
Sie werden 7 Kinder haben, wobei 2 bereits als Kleinkinder sterben, 1 Sohn wird im Krieg fallen und die eine Tochter wird in Kriegsgefangenschaft sterben. Es bleiben ihnen also nur ihre Erstgeborene Tochter Martha Marie, mein Opa Herbert und ihr Sohn Hans Gotthilf.
Nachdem die beiden nach Königsberg gezogen sind wohnen sie
1903/1904 im Tragheimer Ausbau 96 (der Tragheimer Ausbau hatte 1907 2.288 Einwohner)
1906/1909 Tragheimer Ausbau 144
1912/1917 in Rothenstein
1941 Am Kurfürstendamm
Ihre Kinder:
Martha Marie, geboren am 18. April 1903
Martha Marie heiratet ihren Mann Kurt Stoermer und hat zwei Kinder.
Lisbeth Anna, geboren am 20. September 1904
Lisbeth Anna heiratet und bekommt einen Sohn, Paul Keilhack. Sie ist im Krieg als Wehrmachthelferin in Bukarest und wird verurteilt und nach Workuta in den GULag gebracht. Dort verstirbt sie an TBC. Nähere hierzu siehe den detaillierten Blog
Paul Fritz, geboren am 12. März 1906
Paul verstirbt bereits als Kind und wird nur 9 Jahre alt.
Hans, geboren am 03. September 1909
Auch Hans verstirbt bereits als Kind. Er wird nur 10 Monate alt
Hans Gotthilf, geboren am 03. April 1912
Hans Gotthilf heiratet am 03. Februar 1912 in Königsberg seine Frau Emma Bernatzky. Sie werden später in Ostberlin wohnen.
Herbert Traugott, geboren am 11. Januar 1915
Alfred Kurt, geboren am 23. April 1917
Alfred verstirbt im Zweiten Weltkrieg im Reservelazarett in Schilo an Lungentuberkulose. Er diente als Feldwebel bei der Luftwaffe. Seine Beerdigung fand allerdings in Königsberg statt.
1945 müssen meine Urgroßeltern Königsberg verlassen und schließen sich dem großen Treck an. Sie kommen erst nach Elmshorn und zogen dann nach Düsseldorf, wo sie erst in der Hüttenstraße wohnen. (Quelle: Zeitungsartikel zur Diamantenhochzeit vom 24.03.1962 in den Düsseldorfer Nachrichten).
Ihr Leben in Düsseldorf
1962 feiern meine Urgroßeltern Friedrich Gustav Lange und Faust Marie ihre Diamantene Hochzeit in Düsseldorf. Sie wohnen zu dieser Zeit am Jürgensplatz 56. Einer der Artikel in der Zeitung beschreibt ganz nett das Leben der beiden.
"Noch in der guten alten Zeit geheiratet hat das Ehepaar Lange. Herr Lange führte seine Gattin im Jahre 1902 vor den Traualtar. Beide haben seit damals alle Widernisse, die das Leben mit bringt, glücklich überstanden und können heute in beachtlicher geistiger Frische, wenn auch körperlich ein wenig gebrechlich, ihre diamentene Hochzeit feiern. Beide sind in Ostpreußen geboren, Herr Lange 1875 im Kreis Heiligenbeil, seine Gattin ein Jahr später im Kreis Labiau. Königsberg wurde von 1895 bis 1945 ihre zweite Heimat. Herr Lange war bis 1938 bei der Reichsbahn beschäftigt, wo er sich bis zum Sekretär und stellvertretenden Bahnhofsvorstand emporgearbeitet hat. Nach Kriegsende zogen die Langes nach Elmshorn, um sich dann 1952 endgültig in Düsseldorf niederzulassen. Opa Lange plaudert auch heute noch sehr gern und wird recht unwirsch, wenn man ihn einmal unterbricht. Die Oma sitzt daneben und lauscht, wie eh und je, andächtig den Worten des Familienvaters. Wenn Opa Lange von seiner Militärdienstzeit beim Grenadierregiment Friedrich der Große in Allenstein berichtet, leuchten seine Augen und ein unverkennbarer Stolz liegt in seiner Stimme. Mit Politik wollte er aber zeit seines Lebens nichts zu schaffen haben. Vielleicht ist er deshalb so alt geworden. Nur seiner Wahlpflicht ist Opa Lange als braver Staatsbürger immer nachgekommen. Die Nationalsozialisten waren ihm ausgesprochen unsympathisch. "Ich konnte einfach den Arm nicht hochbekommen", erzählt er und bekundet damit, daß auch er einen Beitrag zum passiven Widerstand gegen das Hitlerregime geleistet hat. Noch vor zwölf Jahren hat Herr Lange eifrig Holz gehackt. Solchen Ehrgeiz hat er allerdings heute mit 87 Jahren nicht mehr. Mehr Freude macht es ihm da schon, Hin und wieder ein Liedchen zu singen. Seine große Liebe aber gehört seinem evangelischen Glauben. "Von Jugend an bin ich ein gläubiger evangelischer Christ gewesen, und daran halte ich fest", verkündet er mit der Stimme eines Reformators. Oma Lange bestätigt mit freundlichen Kopfnicken die Worte ihres Herrn Gemahl. Heute hat das Jubelpaar wieder einmal Gelegenheit, die Häupter der Lieben zu zählen. Von den sieben Kindern des Paares leben allerdings nur noch drei. Eine Tochter und ein Sohn – ein zweiter Sohn wohnt in Ostberlin und kann deshalb zum großen Kummer seiner Eltern nicht herüberkommen - , vier Engel und ein Urenkel werden gemeinsam mit den beiden Alten den großen Tag verleben. Wir gratulieren dem Ehepaar zum 60. Hochzeitstag.(Krefelder Zeitung)
Am 19. Februar 1965 versterben beide . Morgens um 05:00 Uhr zuerst Marie Johanna Faust und dann um 19:30 Uhr Friedrich Gustav Lange, mein Urgroßvater. Beide starben im Altenheim und die beiden Todesfälle wurden von einem Theodor Horn, ohne Beruf gemeldet. Die Beerdigung fand am Mittwoch, den 24. Februar 1965 um 10:30 Uhr in der Kapelle des Friedhofes zu Krefeld-Fischeln statt. Es wurde damals auch eine Todesanzeige im Ostpreußenblatt aufgegeben. Die Todesumstände lassen sich aus einem Brief von meinem Opa Herbert Lange an die Familie Borlius herauslesen:
"...Am 19. Febr. erhielt ich in aller Frühe die telephonische Nachricht, daß Mutter gestorben sei, und daß Vater ohne Bewußtsein darniederliege. Ich setzte mich sofort auf die Bahn und fuhr nach Krefeld. Dort erfuhr ich dann die näheren Umstände über den Tod der Eltern. Sie haben am Abend des Donnerstag noch einen gemeinsamen Spaziergang im Park des Heimes gemacht. Danach klagte meine Mutter über Herzschmerzen, Vater verständigte die Frau Oberin und der Arzt erschien umgehend. Nach Verabreichung einer Spritze ließen die Schmerzen nach und Mutter ist dann gegen Abend wohl auch eingeschlafen. Nach Mitternacht schaute die Nachtschwester wieder mal nach und fand Vater außerhalb seines Bettes [Text im Original-Brief durchgestrichen] bewußtlos auf einem Stuhl sitzend. Man packte ihn ins Bett und die Nachtschwester blieb die ganze Nacht an seinem Bett. Dabei hat man garnicht gemerkt, daß Mutter's Herz etwa um 5 Uhr für immer aufgehört hatte zu schlagen. Vater hat dann noch bis abends etwa ½ 8 Uhr gebraucht um die Augen für immer zu schließen, er war allerdings ständig ohne Bewußtsein. So sind beide eines friedlichen Todes gestorben und einer hat das Abscheiden des anderen nicht mitbekommen. Ich habe meinen Vater leider auch nicht mehr lebend angetroffen. Dieser doppelte Verlust war für uns alle ein herber Schlag, aber wir wollen Gott danken, daß er sie nicht hat leiden lassen, und daß sie beide gemeinsam in den Frieden eingehen konnten. Das war es auch, was sie sich immer bei Lebzeiten gewünscht hatten und es ist eine große Gnade, daß ihnen dieser Wunsch erfüllt wurde... Ihr Herbert Lange"(Brief von Herbert Lange an Familie Borlius vom 01.04.1965)